Bis vor wenigen Jahrzehnten hing auch in Deutschland in vielen Städten ein Kohleduft in der Luft wenn geheizt wurde. Heute ist das nur noch an wenigen Orten so (z.B. in der Gegend in der ich in Bonn gewohnt habe). In Prishtina heizen viele Leute mit Holz und/oder Braunkohle, anstelle oder zusätzlich zur Stromheizung. Das riecht man natürlich. Außerdem gibt es ja ganz in der Nähe die beiden großen Braunkohlekraftwerke, neben denen direkt der Tagebau betrieben wird. Unter diesen Umständen waren wir ganz froh, dass der Schnee hier nach ein paar Tagen immer noch sehr weiß war - wir hatten eine schlimmere Luftverschmutzung befürchtet. Vielleicht sind die Partikel auch einfach kleiner...
P.S. Wo fahren die Kinder in der pannonischen Tiefebene (z.B. Ostkroatien und Nordserbien) eigentlich Schlitten? An Autobahnauffahrten.
spack - 15. Jan, 20:19
Wie viele Menschen hier im Kosovo heizen auch wir mit Strom. An sich klappt das ganz gut (auch wenn die Heizungen hohen Wartungsbedarf haben und die Türen- und Fensterrahmen kleinere und größere Ritzen offen lassen), wenn Strom vorhanden ist.
Da im Kosovo von dem staatlichen Energiebetrieb jedoch nicht genügend Strom produziert wird, um vor allem im Winter den Bedarf zu decken, wird einzelnen Stadtteilen oder auch ganzen Städten täglich der Strom für eine Weile abgestellt. Wir haben in unserem Viertel in Prishtina Glück, dass der Stromausfall meist nur eine Stunde dauert - Martins Kollege erzählte gestern, dass sie Abends innerhalb von fünf Stunden nur eine Stunde Strom hatten. Das ist im Moment sehr unangenehm, da es bis gestern bitter kalt war. Der Kollege und seine Frau haben es dann vorgezogen, samt ihren beiden kleinen Kindern bei den Großeltern zu übernachten, die wohl nicht nur auf Strom angewiesen sind.
Wir haben uns mit den Stromausfällen ganz gut arrangiert und schon das ein oder andere romatische Candle-Light-Dinner genossen. Viele Geschäfte, Restaurants, Behörden oder auch reichere Privatleute behelfen sich mit Stromgeneratoren. insgesamt ist die Situation aber für die meisten belastend - die Hoffnung ist, dass dei Stromversorgung besser wird, wenn die Energiebetriebe privatisiert werden.

Martin beim Zwiebelschneiden im Kerzenlicht (das Bild entstand noch im Herbst mit T-Shirt-Wetter :-) )
spack - 14. Jan, 15:12
Nach einer schönen Weihnachts- und Neujahrszeit kommt kurz vor dem Mutscheltag der letzte Teil unserer Ausreise: Mit dem verbliebenen Sack und Pack, inkl. 4 Fahrrädern und 1 Polo mit 8 Reifen. Um uns die lange Reise zu erleichtern bleiben wir einen Tag in Villach.
Da die Loipe auf der Villacher Alpe im eiskalten Nebel liegt beschließen wir kurzerhand, den Gipfel Dobratsch zu erklimmen.

Dort oben ist es noch bitterkälter aber der Blick über den Wolken auf den Karwendel und die dahinterliegenden Julischen Alpen im Süden und auf den Großglockner sowie viele andere Gipfel ist wunderschön.
Der Rest der Rückreise verläuft problemlos, da uns alle Grenzer und Zöllner aufgrund der drei Fahrräder auf dem Dach für verrückt aber harmlos halten.

Angekommen :-)
spack - 13. Jan, 09:34
Am 17. Dezember sind wir mit Kollegen nach Belgrad gefahren und dann von dort aus mit dem Nachtzug nach Villach. Bis auf kleinere Unannehmlichkeiten wie Regen im im Abteil und auch sonst im Zug, verlief die Fahrt gut, so dass wir am nächsten Morgen den Zug Richtung Köln nehmen konnten. Martin hat dort am Freitag vom Dekan in einer kleinen Feier gemeinsam mit 30 weiteren Absolventen der WISO-Fakultät eine Bescheinigung bekommen, dass er nach der Veröffentlichung seiner Arbeit den Dr.-Titel führen darf. Gleichzeitig hat er das Gelöbnis abgelegt, sich der Würde des Titels entsprechend zu verhalten :-)
Nun sind wir in Reutlingen und freuen uns, viele von Euch persönlich zu treffen.

Neuigkeiten über unsere Zeit im Kosovo wird es hier erst im neuen Jahr wieder geben. Dann wird für mich dort auch wirklich die Eingewöhnungszeit beginnen. Bisher war ich mit meiner Zeit dort sehr zufrieden, die nächsten zwei Jahre versprechen, spannend zu werden!
Euch allen fröhliche Weihnachten und einen guten Start ins Jahr 2009!
spack - 23. Dez, 17:14
Eigentlich wollten wir das Wochenende in Brezovica verbringen, das ist ein Ort im Süden zwischen Prizren und Ferizai in den Bergen. Dort gibt es 9 km den Berg hoch ein "Skicentar". Nach ca. 7 km änderte sich die Situation sehr schnell von grau & feucht zu Schneesturm. Nachdem wir an einem Reisebus mit Getriebeschaden noch knapp vorbeikamen blieben wir oben kurz vor dem ersten Gebäude stecken und haben es mit Müh und Not sowie der Hilfe eines freundlichen Polizisten geschafft, zu wenden, ohne andere Autos zu beschädigen, und dann das Auto fluchtartig zu verlassen.

Eli wollte dann keinen Schritt mehr aus der Kaffeestube mit offenem Feuer und angeschlossenem Skiverleih tun. Ich habe mir noch bei heftigem Schneetreiben die anderen Hotels und Cafes angeschaut, die Saison beginnt allerdings erst nächste Woche, desehalb war nicht viel los, die Anlagen wirkten wie ausgestorben. Da es keine Aussichten auf besseres Wetter gab brachen wir das Vorhaben ab. Das Tanken unten in Brezovica scheiterte dann daran, dass wir in dieser serbischen Enklave nicht mit Euro zahlen konnten, zum Glück hat der Sprit noch über den Pass und bis zur Tankstelle im Župa-Tal gereicht. Zur Erholung haben wir heute Brownies gebacken.

spack - 14. Dez, 16:31
Adventszeit - gibt's hier kaum. Seit zwei Tagen brennen zumindest ein paar Lichterketten in der Innenstadt. Stattdessen ist heute Bajram.
Auch wenn der Große Bajram (das Opferfest) einen religiösen Hintergrund hat spielt das in den meisten Familien hier keine große Rolle. Der soziale Aspekt ist in den Vordergrund gerückt. Der Tag beginnt damit, dass die Männer der Familien gemeinsam auf den Friedhof gehen, anschließend werden viele, viele Besuche gemacht. Die Frauen bleiben daheim und empfangen den Besuch - zumindest in der Stadt. Der Neffe unserer Vermieterin hatte soeben erst richtig losgelegt und war schon bei 10 Familien... Wir waren allerdings nur bei unseren Vermietern zu Süßigkeiten und russischem bzw. türkischem Tee - ansonsten waren wir heute früh laufen und haben unsere Wohnung eingeräumt: Seit heute haben wir in der neuen Wohnung auch wieder einen Festnetzanschluss, mit Anrufbeantworter.
Adventszeit, ach ja, am nächsten Wochenende ist Weihnachtsmarkt auf dem Hof der deutschen Botschaft.

spack - 8. Dez, 18:47
Ja, jetzt bin ich auch endlich da! Martin hat in seinem letzten Beitrag ein kleines bisschen mit der Kilometerzahl uebertrieben, ich bin zwar durch halb Europa und darueber hinaus gefahren, aber die Strecke Paris-Dakar ueberlasse ich doch lieber den Profis!
Nachdem ich am Montag mein Date mit der Arbeitsagentur in Tuebingen persoehnlich wahrgenomen habe und dem Arbeitsmarkt den ganzen Tag ueber zur Verfuegung stand, hab ich mich mit dem Projektauto, vollbeladen mit persoenlichen Utensilien von uns, auf den Weg gemacht. Wir wollten eigentlich gerne zusammen fahren, aber da ich noch nicht ausreisen konnte und Martin wieder arbeiten musste, ist er mit dem Bus gefahren und ich habe mich erstmal ausgeschlafen und bin dann mit dem Auto hinterher gefahren. Spektakulaeres kann ich von der Reise nicht berichten. Mit einem funktionierenden Auto und genuegend Geld in der Tasche, um all die Autobahngebuehren zu bezahlen, kommt man ganz gut voran. Das Aufregendste war ein kleines Schneegestoeber in Kaernten, das mich etwas abgebremst hat, ansonsten ist nicht viel zu berichten. Autobahnen und Autobahnraststaetten aehneln sich alle sehr. Uebernachtet habe ich in einem Hotel in Ljubiliana, das ich gegen 10 Uhr gefunden habe. Gerne haette ich schon ein klein wenig frueher Pause gemacht, aber in Oessterreich konnte ich nicht bleiben, das waere gefuehlsmaessig zu nah gewesen und dann musste ich halt bis Ljubiliana fahren, bis ich ein Hotel gefunden habe.
Die Zoellner haben mich immer freundlich durchgewunken, sobald ich meine Mappe mit allen moeglichen Unterlagen gezueckt habe, die bestimmt sehr organisiert und glaubwuerdig aussah! Nur die Kosovaren haben ein wenig naeher in die Kisten schauen wollen. Als sie aber in der ersten Kiste nur Kuechenutensilien gefunden haben, ist ihnen schnell die Lust vergangen, in den anderen Kisten nach Schmuggelware zu suchen. Wahrscheinlich hatten sie auch Mitleid mit mir, da ich nach 10,5 Stunden Reise bestimmt auch nicht mehr ganz so frisch ausgesehen habe.
Ja, und jetzt bin ich bereits wieder in den Albanisch-Unterricht eingestiegen, versuche unser von einer Spedition transportiertes Gepaeck beim Zoll frei zu bekommen und ziehe unsere Sachen innerhalb des Hauses, in dem Martin bisher gewohnt hat, in eine andere Wohnung. Damit werde ich diese Woche noch beschaeftigt sein. Unsere Vermieterin und ihre ganze Familie hat mich schon sehr freundlich aufgenommen. Da haben wir richtig Glueck, zumal unsere Wohnung in der gleichen Strasse wie das ZFD-Projekt ist. ihr seid herzlich eingeladen, mal selbst zu schauen, wo wir gelandet sind. Bis der erste Besuch kommt, sind wir bestimmt auch eingerichtet!
spack - 4. Dez, 11:27
Eli ist da! Sie ist die 175.000 km fast in einem Rutsch durchgefahren, hat alle Zöllner um den Finger gewickelt und unser ganzes Gepäck incl. Usambara-Veilchen heil nach Prishtina gebracht. Jetzt trinken wir Bier.
spack - 2. Dez, 19:58