Da gute Freunde von uns geheiratet haben war ich schon wieder für wenige Tage in Tübingen. Jetzt auf der Rückreise sitze ich zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen in Belgrad und schreibe ein paar Sätze. Dieses Mal habe ich noch mehr Zeit, ich sitze nicht im Bahnhof sondern am nahe gelegenen Donauufer und vor mir leuchtet über Novi Beograd ein sehr schöner Sonnenuntergang. Einige Jogger und Spaziergängerinnen kommen vorbei. An den Brücken wird gebaut, mir fällt ein, dass sie 1999 von der NATO bombardiert wurden.
Die Zugstrecke führt in etwa 19 Stunden entweder über Wien und Budapest oder über Villach, Ljubljana und Zagreb nach Belgrad. Je näher das Ziel kommt desto langsamer fährt der Zug, vermutlich lässt das Gleisbett keine höhere Geschwindigkeit zu. Von Belgrad fahren Busse in etwa sechs Stunden nach Prishtina. Alternativ fahren Busse auch die ganze Strecke oder zwischen Prishtina und Linz. Die Zugstrecke zwischen Belgrad und Prishtina ist zur Zeit wegen des Konflikts nicht in Betrieb. Allerdings lässt der Zustand der Zugverbindung von Prishtina nach Skopje - der Zug wurde von der Kennedy-Regierung geschenkt - vermuten, dass der Bus in jedem Fall schneller wäre. Ein Mitbewohner des Guesthouse hat letzte Woche erzählt, wie er Abends im Dunkeln mit diesem Zug aus Skopje an dem entlegenen "Bahnhof" von Prishtina angekommen ist. Er war der einzige Fahrgast - einige Serben sind wohl kurz zuvor in der serbischen Enklave Gracanica ausgestiegen - und hat mit Hilfe des einzigen anderen Menschen weit und breit, also des Lockführers, ein Taxi in die Stadt bekommen. Ich freue mich schon auf einen Ausflug mit dieser bemerkenswerten Bahn.

spack - 8. Okt, 09:44