Donnerstag, 2. Oktober 2008

Über Generationen

Während wir dem munteren Treiben zusahen habe ich mich mit einem albanischen Kosovaren unterhalten, der seit 20 Jahren in Österreich lebt und eine Baufirma hat. Alleine würde er diese Strecke durch Serbien nicht fahren, das wäre zu unsicher, in diesem Bus geht das. In der Nähe seines Heimatsort gab es 1999 ein Massacker an der albanischen Bevölkerung und auch sein Bruder wurde im Krieg umgebracht. Für ihn hat sich bewahrheitet, was ihm sein Großvater schon erzählt hatte, damals, als er ihm nicht zugehört hatte: Dass die Serben die Albaner umbringen und vertreiben. Deshalb hat er jetzt seine Erlebnisse und die Geschichte seiner Familie auf Video aufgenommen, damit seine Kinder das niemals vergessen werden.

68 Cent pro Liter

Auch wenn ich diesen Beitrag erst später hochladen kann, ich sitze gerade im Nachtbus von Prishtina nach Wien. Wir sind von Prishtina über Mitrovica durch den serbisch dominierten Nordkosovo bis zur Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien gefahren. Kurz vor der Grenze hat unser Bus getankt und ich konnte das erleben, von dem ich erst heute Mittag im jüngsten Bericht der International Crisis Group über das Kosovo gelesen hatte: Da im Nordkosovo weder die kosovarische, noch die serbische noch sonst irgend eine Regierung so richtig die Kontrolle hat blühen der Schmuggel und verwandte Wirtschaftzweige. Auch Benzin ist deshalb besonders billig, es wird in einer in diesen Bereichen häufigen albanisch-serbischen Kooperation deutlich günstiger als im Kosovo und Serbien verkauft, gerne auch in Zwei- oder Fünfliter-Plastikflaschen, in denen zuvor Sonnenblumenöl war. Viele der Autos an der Tankstelle hatten keine Nummernschilder - da Polizei und Justiz im Nordkosovo kaum funktionieren braucht man das nicht. Der rechtsfreie Raum hat auch dazu geführt, dass der flüchtige Chef des serbischen Fußballverbandes vorgeschlagen hat, die nächste Versammlung seines Verbands im Nordkosovo abzuhalten - dort wird er sicher nicht belangt...Tankstelle

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Unsere Wohnung

Unsere Wohnung ist vorne im Erdgeschoss, hinten im 1. Stock, da das Haus am Hang liegt, der nach Osten abfällt. In diese Richtung haben wir einen großen Balkon, nach Süden einen kleinen. Unter uns wohnen unsere Vermieter und über uns ein Deutscher, der über CIM in einem kosovarischen Ministerium arbeitet. Wir haben ein großes Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer, ein Schlafzimmer und ein Gästezimmer. Wie in den meisten Häusern gibt es hier aufgrund der Stromausfälle einen extra Wassertank, einen "Invertor" - ein Akku für TV, Computer und Licht - sowie einen extra Herd und eine extra Heizung mit Gasflaschen. Das Viertel "Velania" liegt am Hang, ist ziemlich ruhig und es gibt hier einige Akademiker. Hier hat Ibrahim Rugova gewohnt und hier ist auch sein Grab - neben einem Kriegerdenkmal aus sozialistischen Zeiten und Gräbern von UCK-Kommandanten.
Haus
Wohnung

Bayram

Heute, am Dienstag, ist der Große Bayram, das Fastenbrechen am Ende des Ramadan. Zwar gehen viele Menschen nicht in die Moscheen aber es ist Feiertag, die Läden sind zu und die meisten Familien folgen der Tradition, dass die Männer Verwandte und Freunde besuchen während die Frauen den ganzen Besuch empfangen. Zum Essen gehen alle wieder in die eigene Familie. Außerdem etabliert sich gerade die Tradition, das Kinder böllern... Heute Mittag wurde ich von unseren netten Vermietern ein Stock tiefer zum Essen eingeladen: Er ist Französischprofessor, sie -lehrerin, beide pensioniert, die jüngste Tochter und seine Mutter leben auch hier. Außerdem war heute der erste sonnige Tag seit meiner Ankunft vor einer Woche.

Donnerstag, 25. September 2008

Angekommen

Diese Woche bin ich mit dem Zug nach Belgrad gefahren und von dort aus mit dem Bus weiter nach Prishtina.
Diese Woche ist Martin mit dem Zug nach Belgrad (hier ist der Bahnhof) gefahren und von dort aus mit dem Bus weiter nach Prishtina. Neben der Wohnungssuche hat gleich die Arbeit im Büro des forumZFD im Stadtteil "Velania" begonnen.
Buero-forumZFD

Sonntag, 14. September 2008

Noch geht's nicht los

Martin ist gerade erst abgereist und Eli ist noch bis im November in Tübingen, deshalb gibt es hier erst ab Ende November Neuigkeiten aus dem Kosovo.

Noch sehen wir am Horizont nicht die Berge an den Grenzen des Kosovo sondern die Alb.
Am Horizont sehen wir noch nicht die Berge an der Grenze des Kosovo sondern die Schwäbische Alb.

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